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Jutta Riedel-Henck
Musik im Alltag
Mit Kindern zurück zu den musikalischen Wurzeln
Es war einmal ein kleines Kind. Das verspürte große Lust, der Welt zu verkünden, was es fühlte: Begeisterung, Wut, Trauer, Sehnsucht, Freude, Angst, Liebe ... Seine Sprache
war international: Es schrie oder lallte, brabbelte und kreischte, vor Vergnügen oder Verdruss – ohne Absicht, ohne je ein Buch gelesen zu haben, ohne darüber nachzudenken, was falsch oder richtig sei.
Die Eltern des Kindes freuten sich über die wachsende Vielfalt seiner Ausdrücke, erwiderten sie in höchsten Tönen und vernahmen bald stolz sein erstes Wort: »Mama!« – Unser
Kind kann sprechen, heißt es von nun an, und bei jeder Gelegenheit probieren Oma, Tante, Bekannte, Mama und Papa, dem genialen Nachwuchs ein weiteres Wörtchen zu entlocken: Maaaa-maaaaa, Paaaa-paaaaa,
Ooooo-ma, Aooooooo-tooooo ... Das Lallen wird mehr als zuvor belächelt (schau nur, wie süß, es übt sprechen), aber sobald die spielenden Lippen einander berühren, um anschließend ein kräftig tönendes
Baaa zu formen, beginnen die Augen des männlichen Elternteils zu funkeln: Es hat Papa gesagt! Ist das nicht toll? Unser Kind kann sprechen!
Die Zeit nimmt ihren Lauf. Das Kind merkt bald, dass gewisse Laute besonderen Anklang finden, während andere kaum beantwortet werden. Im Spiegel seiner Umgebung beginnt es
mit der Zuordnung seiner einst ungeordneten Ausdrucksvielfalt und lernt zu »sprechen«.
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© 2001 Jutta Riedel-Henck
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